Barbara Gschaider, geb.1971, Dipl. Geigenbauerin
Georg Gschaider, geb.1971, Dipl. Geigenbauer und Dipl.Ing. Maschinenbau
Barbara: „Mit 16 bekam ich meine erste eigene Bratsche. In dieses Instrument habe ich mich sofort verliebt. Während ich bei meiner Leihbratsche um jeden Ton kämpfen musste, spielte sich die neue Bratsche wie von selbst. Seitdem wollte ich wissen, wie guter Klang entsteht.“
Georg: „Ich liebe Musik – und damit auch Musikinstrumente. Warum ich ausgerechnet beim Geigenbau gelandet bin? Es war eine Bauchentscheidung. Vielleicht war es die Schönheit der Geigenwölbung. Vielleicht die traditionelle Arbeitsweise, die sich seit über 400 Jahren kaum verändert hat. Vielleicht auch das vermeintliche Geheimnis, das die Geige umgibt. Sie hat mich einfach in ihren Bann gezogen.“
1996:
Wir beide nach unserer Diplomfeier an der Newark School of Violin Making in England. Hinter uns liegen vier Jahre Ausbildung: Drei Jahre im Geigenbau und ein Jahr im Barockinstrumentenbau. Nun geht es nach Deutschland. Mit dabei unser fünf Wochen altes Baby.
1999:
Nach einigen Jahren in Werkstätten von erfahrenen Geigenbauern eröffnen wir unsere erste eigene Werkstatt in einem Dachzimmer am Botanischen Garten in Bonn. Platz und Geld sind knapp, umso größer ist unsere Leidenschaft für den Geigenbau.
Heute:
Unser Baby ist inzwischen erwachsen, aus dem Dachzimmer ist ein 80 qm großes Atelier geworden, unsere Instrumente werden europaweit gespielt.
Ja, unsere Begeisterung für den Geigenbau ist mit den Jahren eher gewachsen als kleiner geworden. Es ist ein besonderes Privileg, einen Beruf auszuüben, in dem man mit zunehmender Erfahrung immer besser wird. Nicht ohne Grund gilt Stradivaris Schaffenszeit zwischen 1700 und 1725 – also im Alter von etwa 50 bis 75 Jahren – als seine „Goldene Periode“.
Manche Arbeitsschritte führen wir heute völlig anders aus als noch vor zwanzig Jahren – allen voran die Lackierung. Auch beim zentralen Thema Steifigkeit versus Flexibilität wächst mit jedem gebauten Instrument die Erfahrung. Die entscheidende Frage lautet dabei immer: Wo darf Holz stehen bleiben und wo muss es weichen? Diese Entscheidunge über wenige Zehntel-Millimeter lässt sich nicht berechnen. Sie beruht auf Erfahrung, sorgfältiger Beobachtung und einem geschulten Gespür für das Material.
Um den eigenen Horizont ständig zu erweitern, nehmen wir regelmäßig an internationalen Workshops teil. Die Themen reichen von der Zubereitung altitalienischer Lacke über neue Materialien bei Bogenreparaturen bis hin zu aufwendigen Restaurierungstechniken für wertvollen Instrumente. Der Austausch mit Kollegen aus aller Welt eröffnet immer wieder neue Perspektiven und liefert wertvolle Anregungen, die unmittelbar in unsere tägliche Arbeit einfließen.